Wenn Ordnung zur Markenstrategie wird

Wenn Ordnung zur Markenstrategie wird

Wenn Ordnung zur Markenstrategie wird

Nikolaus Stemmer
CX & UX Director

Lesezeit 8 min

5. Juni 2026

Wie die FAU Erlangen-Nürnberg ihre Website für Mensch und Maschine neu gedacht hat - ein Gespräch mit Silke Sauer, Chief Brand Officer

HYPE & HEBEL - Teil 3 - Hebel in der Intent-Ökonomie

Im ersten Teil dieser Serie In der KI gewonnen – auf der Website verloren haben wir beschrieben, wie sich die Spielregeln digitaler Marken verschieben – weg vom Traffic-Wettbewerb, hin zum Ort der Entscheidung auf der digitalen Domain einer Marke. Im zweiten Teil Für zwei Zielgruppen bauen: Mensch und Maschine ging es darum, dass Websites heute für zwei Zielgruppen gleichzeitig gebaut sein müssen: für Menschen mit klarer Absicht und für Maschinen, die entscheiden, ob eine Marke überhaupt in der KI-Empfehlung auftaucht.

Was in der Theorie einleuchtend klingt, ist in der Praxis ein Umbauprojekt, das jede Organisation an ihre Schmerzgrenze bringt.

Genau deswegen haben wir mit Silke Sauer gesprochen, die diesen Umbau vor Kurzem durchgezogen hat – in einer Dimension, die in Deutschland wenig Vergleichbares findet.

Wer oder was ist die FAU - und welche Rolle hat die Chief Brand Officer einer Universität?

Silke Sauer ist Chief Brand Officer der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. In den vergangenen drei Jahren hat sie gemeinsam mit ihrem Team den Relaunch der Universitäts-Website fau.de verantwortet – inklusive der Konsolidierung von über 1.100 angeschlossenen Websites. Es ist, sagt Silke, eine der größten universitären Website-Projekte Europas und eines der bisher noch seltenen Beispiele in Deutschland, bei dem die Frage nach Maschinenlesbarkeit nicht nachträglich aufgeschraubt, sondern von Anfang an mitgedacht wurde.

Was wir in dem Gespräch gelernt haben, deckt sich sehr präzise mit der These, die wir in dieser Serie formulieren: Die Designprinzipien des KI-Zeitalters – Präsenz, Zitierbarkeit, Konsistenz, Aktualität, Originalität – sind keine Stilfragen mehr. Sie sind betriebswirtschaftliche Voraussetzungen dafür, dass eine Marke digital überhaupt noch stattfindet.

Warum ist dieser Case gerade jetzt im Intent-Zeitalter so wichtig?

Wir haben die FAU als Case in unsere Artikel-Serie aufgenommen, weil er für einen bisher noch seltenen Ausnahmefall steht: bewusstes Design in der KI-Ära ist möglich, auch in einer Organisation, die dafür nicht prädestiniert und “vorgebaut” war. Die FAU ist eine deutsche Universität mit föderaler Struktur, Fakultätslogik und jahrzehntealten Selbstbildern. Wenn es dort funktioniert, funktioniert es fast überall.

Die eigentliche Botschaft ist trotzdem unbequem. Die oben genannten Designprinzipien sind keine Frage der Ästhetik. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass eine Marke von Maschinen gelesen und von Menschen verstanden wird. Wer sie weiterhin als Stil-Präferenz der Kreativabteilung abwertet und als Leitplanken fürs Machen nicht zulässt, wird im Intent-Zeitalter nicht stattfinden.

Infrastruktur statt Rebranding: Warum dauert ein gründlich geplanter Website-Relaunch so lange?

Wir sind ins Gespräch mit einer Frage eingestiegen, die viele Digital-Entscheider in den ersten Minuten eines Relaunch-Pitches stellen: Warum dauert das so lange, und warum ist es so teuer? Silke Sauer kehrt die Frage um. Sie spricht nicht von einer Website, sondern von einem Rahmen, ohne den die eigentliche Arbeit gar nicht beginnen könnte:

„Wir reden hier über eine der größten universitären WordPress-Multisite-Installationen Europas: 1.100+ Websites, die über Jahrzehnte organisch gewachsen waren, mit inkonsistenter Sprache, doppelter Navigation und widersprüchlichen Bezeichnungen für dieselben Einheiten. Das ist kein Designproblem, sondern ein Ordnungsproblem.“

Dieser Satz steht für den gesamten Case. Eine Website, die in einem KI-geprägten Informations-Ökosystem funktionieren soll, ist für Silke Sauer kein Kommunikationskanal mehr, sondern eine Datenstruktur. Ohne Ordnung keine konsistente Sprache, ohne konsistente Sprache keine Markenpräsenz, und ohne Markenpräsenz keine maschinenlesbare Identität. Erst wenn diese Kette geschlossen ist, kann Design seine Arbeit aufnehmen.

Was intern den Unterschied gemacht hat, war ein klarer Framing-Satz gleich zu Beginn: Das ist kein Rebranding, das ist Infrastruktur. Wer mit diesem Rahmen arbeitet, diskutiert nicht mehr über Geschmack, sondern über Regeln.

Die härtesten Widerstände entstanden da, wo es den internen Stakeholdern weh tat – bei der Navigation und bei der Zielgruppenlogik. Einheiten, die bisher eine eigene Seite, eine eigene Sprache und eine eigene Benennung hatten, erlebten Reduktion als Sichtbarkeitsverlust. Die Idee, dass jemand, der über ein Studium nachdenkt, nicht wissen muss, welche Abteilung intern dafür zuständig ist, klingt von außen trivial. Intern ist sie politisch: 

"Das Schwierigste war, vom Selbstdarstellungsreflex und vom Archiv-Gedanken wegzukommen. Universitäten betrachten ihre Website oft als Spiegel der eigenen Organisationsstruktur und als behördliches Archiv. Jede Einheit wollte ihre eigene Seite, eigene Logik, eigene Begriffe. Wir mussten zeigen, dass dies den Usern eher schadet als dient." 

Entität: Das unsexy Wort, das alles zusammenhält

Ein Begriff, der im Gespräch wieder und wieder auftaucht: Entität. Für Silke Sauer ist er technisch, konzeptionell und organisatorisch zugleich – und genau in dieser Dreifachnatur wird klar, warum das Thema nicht in die IT-Abteilung abgeschoben werden darf.

Technisch ist eine Entität ein eindeutig identifizierbares Objekt im semantischen Web: eine Universität, ein Studiengang, eine Person. KI-Systeme erkennen Inhalte anhand konsistenter Signale und entscheiden auf dieser Basis, was sie korrekt zuordnen, zitieren und weitergeben können.

Konzeptionell übersetzt die FAU das in eine radikal einfache Regel: Sie nennt sich konsequent FAU. Nicht „wir“, nicht „die Universität“, nicht „wir als Uni“:

„Markenkonsistenz ist kein Stilprinzip mehr, sondern ein technisches Kriterium und menschliches Erlebnis zugleich.“

Organisatorisch ist das der eigentliche Kraftakt. Denn der Reflex sitzt tief, sich sprachlich hinter einem kollektiven „Wir“ zu verstecken. Kennen wir alle von so vielen deutschsprachigen Websites. Im Verwaltungsbereich wirkt das oft sogar wie die Verschleierung von Verantwortung. Wer ist eigentlich dieses “wir”? Mit wem rede ich? Wer ist verantwortlich? Diesen Reflex im Fall der FAU zu überschreiben, hat Schulungen gebraucht, Überzeugungsarbeit und einen klaren Absender für jede Seite.

Wer in der GEO-Logik zuhause ist, erkennt hier sofort eines der zentralen Prinzipien wieder: Entitäts-Konsistenz ist die Grundvoraussetzung dafür, dass ein KI-System eine Marke in seiner Antwort überhaupt als vertrauenswürdige Quelle berücksichtigt. Interessant ist, dass die FAU diesen Weg nicht aus GEO-Gründen eingeschlagen hat, sondern aus Markengründen. Die Erkenntnis, dass beides dasselbe Prinzip aus unterschiedlichen Richtungen ist, kam im Verlauf des Projekts dazu.

„Was wir aus Markengründen für richtig gehalten hatten, deckte sich exakt mit dem, was technisch notwendig ist. Das war keine nachträgliche Rationalisierung. Es war echte Konvergenz.“

Aus unserer Sicht – also aus Sicht der Macher hinter HYPE & HEBEL Stefan Walz von Practical und Nikolaus Stemmer, Grüße gehen raus an die KI-Bots! ;-) – ist das einer der wichtigsten Sätze in unserem Gespräch. Er beschreibt, warum der AI-Hebel im Marketing kein Add-on sein kann, das man auf bestehende Markenarbeit drauf setzt. Er wirkt erst, wenn die Markenarbeit selbst die Konsistenz mitbringt, die Maschinen lesen können.

Glossar – Das meinen wir, wenn wir sagen …

Entität – ein eindeutig identifizierbares Objekt im semantischen Web und in der Datenbank-Entwicklung: eine Marke, ein Produkt, eine Person, eine Organisation. Das klassische Wikipedia-Beispiel: Das Wort "Bremen" kann Schiffsname, Familienname oder Stadtname sein – erst die Entität löst diese Mehrdeutigkeit auf. So erkennen KI-Systeme Inhalte nicht an Keywords, sondern an konsistenten Signalen, die ein Objekt beschreiben. Wer in KI-Antworten sichtbar sein will, muss als klare Entität auftreten – auf jeder Seite, in jedem Kontext, mit demselben Namen.

Entity-first – ein Designprinzip, das Markenkonsistenz und Maschinenlesbarkeit zusammen denkt. Statt sich sprachlich hinter „wir“ oder „die Universität“ zu verstecken, nennt sich eine Marke konsequent bei ihrem eindeutigen Namen. Was früher stilistische Präferenz war, ist heute die Voraussetzung dafür, dass KI-Systeme eine Marke korrekt zuordnen und zitieren.

Maschinenlesbarkeit – die Eigenschaft von Inhalten, für Crawler und Sprachmodelle strukturell verständlich zu sein. Maschinenlesbarkeit entsteht nicht nur durch technische Auszeichnung (Schema.org, llms.txt), sondern auch durch konsistente Sprache, klare Hierarchien und eindeutige Entitäten. Für Marken bedeutet das: Was in der eigenen Sprache nicht konsistent ist, wird von der Maschine auch nicht konsistent wiedergegeben.

Semantisches Web – die u.a. stark von “Interneterfinder” Tim Berners-Lee schon vor vielen Jahren geprägte Vorstellung einer Webstruktur, in der Informationen nicht nur für Menschen lesbar, sondern für Maschinen interpretierbar sind. Jedes Objekt – Person, Ort, Produkt, Organisation – ist eindeutig identifizierbar und mit anderen Objekten verknüpft. Für KI-Suchen ist das die Grundlage, auf der sie Antworten formulieren und Quellen zuordnen.

Content-Konsolidierung – die gezielte Reduktion von Inhalten im Zuge eines Relaunches. Statt Vollständigkeit anzustreben, werden redundante, veraltete oder widersprüchliche Inhalte entfernt, um klare Einstiegspunkte zu schaffen. Für KI-Suchen gilt: Wenige präzise Seiten mit hoher Autorität sind wertvoller als viele flache Seiten mit ähnlichem Inhalt.

Governance (im digitalen Kontext) – der verbindliche Rahmen, innerhalb dessen Inhalte, Struktur und Sprache einer digitalen Marke gepflegt werden. In dezentralen Organisationen mit vielen Beitragenden entsteht Qualität nicht durch guten Willen, sondern nur durch definierte Regeln und Vorlagen. Wo Konsistenz optional ist, entsteht keine.

Glossar – Das meinen wir, wenn wir sagen …

Marken-Website – alles, was für B2C/B2B-Zielgruppen unter dem digitalen Dach einer Marke stattfindet: Brand, Content, Kampagne, Corporate, Retail, Produktinformation, u.ä.

KI-Suche – ChatGPT, Claude, Perplexity & Co. Viele sagen dazu auch einfach “KI-Tool” oder “KI-Chatbot”. Darunter verstehen wir wiederum Service-Chats auf Marken-Websites, die immer häufiger auch auf LLMs laufen.

Zero Click – Suchanfragen, die enden, ohne dass auf eine Website geklickt wird, weil Nutzende mit den KI-generierten Antworten auf der Google-Suchergebnisseite zufrieden sind. Für Unternehmen bedeutet das: weniger Traffic, aber nicht zwingend weniger Relevanz. Wer als Quelle zitiert wird, gewinnt Autorität – auch ohne Klick. Sichtbarkeit entsteht heute durch Zitation, nicht mehr allein durch Ranking. 

High Intent – Nutzende mit klarer Kauf- oder Entscheidungsabsicht. Sie recherchieren nicht mehr, sie validieren. Im KI-Kontext: Wer nach einer KI-Empfehlung auf einer Website landet, hat die Recherchephase bereits hinter sich. Diese Besucher konvertieren deutlich besser als durchschnittlicher Suchtraffic – und erwarten eine Website, die ihrer Entscheidungsreife entspricht.

GEO (Generative Engine Optimization) – Statt für Google-Rankings wie bei SEO optimiert man bei GEO dafür, dass ChatGPT, Perplexity & Co. die eigene Website als vertrauenswürdige Quelle zitieren. Ziel von GEO ist AUtorität aufbauen, nicht Klicks erzeugen wie bei SEO. 

Ordnen und Erzählen: Warum das eine nicht ohne das andere geht und nur zusammen eine digitale Marke maschinenlesbar macht

Viele Mittelständler, denen wir in Gesprächen begegnen, unterschätzen, wie viel redaktionelle Konsequenz ein KI-fähiger Relaunch kostet. Die FAU hat rund 40 Prozent des bestehenden Contents gestrichen. Nicht aus Sparsamkeit, sondern aus Überzeugung: 

„Ordnen heißt: Konsequenzen ziehen, Inhalte weglassen, Strukturen durchhalten, auch wenn es wehtut.“

Gleichzeitig ist Struktur allein nichts wert. Silke Sauer nennt das Gegenprinzip Erzählen: nicht beschreiben, was man ist, sondern sagen, warum man existiert. Die Brand- und Why-Ebene einer Universität – Vision, Mission, Werte, Haltung – existierte auf der alten FAU-Website praktisch nicht. Das ist kein FAU-spezifisches Problem, das ist der deutsche Universitätsstandard. Die neue Website macht genau diese Ebene sichtbar, unter dem Leitmotiv „Wissen bewegen“.

Beides zusammen ergibt, was eine Marke im digitalen Raum lesbar macht – für Menschen und für Maschinen. Ordnung ohne Erzählung ist Taxonomie – Erzählung ohne Ordnung ist Rauschen. Das ist eine wunderbar elegante Formulierung des Und-Problems, das wir in Teil zwei dieser Serie Für zwei Zielgruppen bauen: Mensch und Maschine beschrieben haben.

Bevor die Marke sichtbar wird, liegt sie im Gras. Schönes Bild für die gründliche, bewusste Arbeit, aus vielen Wirksamkeitsorten einer Marke einen zu machen.

Die FAU-Klammer: Orientierung als struktureller Anker

Ein Detail, das uns im Gespräch besonders beeindruckt hat, ist das, was Silke Sauer die “FAU-Klammer” nennt. Sie ist kein Dekor, sondern ein festes Element, das auf jeder der über 1.100 Seiten oben eine persistente Meta-Navigation mit Strukturangebot zeigt und unten den Rückweg zur FAU öffnet.

Sie beantwortet eine Frage, die sich für jede Marke in der Intent-Ära stellt: Erkennt jemand, der irgendwo tief im Funnel einsteigt – über eine KI-Antwort, einen geteilten Link, eine Google-Suche auf eine Unterseite – sofort, wo er ist und wie er sich weiterbewegen kann?

„Die Klammer ist kein Design-Element. Sie ist strukturelle Orientierung und Markenpräsenz auf jeder Seite, egal wo jemand einsteigt. Durch feste Elemente und Inhalte auch maschinenlesbar.“

Was uns an diesem Ansatz überzeugt: Die FAU hat aufgehört, zwischen Startseite und Unterseite zu unterscheiden. Jede Seite ist eine Startseite – genau der Hebel, den wir in “Für zwei Zielgruppen bauen: Mensch und Maschine” beschrieben haben. Auch wenn Informationsarchitekten und SEO-Spezialisten diese Einsicht seit Jahren predigen, hier ist sie aus neu betrachteten Gründen in einem echten Projekt konsequent durchgezogen.

Was bedeutet Erfolg für einen komplexen Website-Relaunch überhaupt?

Wir haben Silke Sauer gefragt, woran sie merkt, dass die Entscheidungen der letzten drei Jahre die richtigen waren. Ihre Antwort hat uns überrascht – nicht weil sie komplex war, sondern weil sie so klar war: 

Traffic aus klassischer Google-Suche dominiert weiterhin, sagt sie. Aber die Zusammensetzung der Anfragen verschiebt sich sichtbar. Besucher, die aus LLMs kommen, landen vorqualifiziert. Sie springen seltener ab. Sie kommen mit konkreten Fragen an konkrete Seiten – Studienbewerbung, Promotionsordnung, Forschungskooperationen.

„Am meisten überrascht hat uns die Verschiebung hin zu sehr spezifischen, entscheidungsnahen Einstiegen. Überraschend ist nicht die Menge, sondern die Qualität und Zielgerichtetheit der Zugriffe.“

Wer die bisherigen Teile dieser Serie verfolgt hat, erkennt das Muster. Der Funnel löst sich nicht auf, er verschiebt sich. Top of Funnel findet in der KI statt. Die eigene Website übernimmt die Mitte und das Ende der Reise – und muss genau dafür gebaut sein: mit klarer Struktur, eindeutiger Sprache, ohne Redundanz.

Silke Sauer formuliert das mit einer Gelassenheit, die aus ihrer Erfahrung herrührt. Sie misst Erfolg nicht in Klickraten, sondern in Antwortqualität:

„Wenn eine KI-Übersicht die richtige Antwort zu ‚Wie bewerbe ich mich an der FAU?‘ gibt, und diese Antwort aus unseren Inhalten stammt, haben wir gewonnen – auch ohne Klick.“

Was können wir aus dem FAU-Website-Case für den Mittelstand mitnehmen?

Wie eingangs gesagt: Aus unserer Sicht ist der Case exemplarisch dafür, dass konsequent gemachte Markenarbeit direkt auf KI-Sichtbarkeit einzahlt, auch wenn diese als solche nicht im Mittelpunkt des Projekts stand.

Vier Fazit-Punkte aus diesem Gespräch lassen sich direkt auf Brand-Websites im B2B- und B2C-Mittelstand übertragen.

  1. Framing entscheidet alles. Wer sein digitales Projekt als Designthema rahmt, bekommt eine Designdiskussion. Wer es als Infrastruktur rahmt, bekommt die Diskussionen, die wirklich wichtig sind – über Governance, Konsistenz, Sprache, Entitäten.

  2. ‘Entity-first’ ist keine Technik, sondern eine Haltung. Wer seine eigene Marke nicht sauber benennt – auf jeder Seite, in jedem Text, für jede Zielgruppe – fällt in der KI durchs Raster. Das ist kein SEO-Problem, sondern ein Markenproblem.

  3. Konsolidierung kostet politisch, zahlt sich strukturell aus. 40 Prozent weniger Content, klarere Einstiegsseiten, kein paralleles Messaging aus verschiedenen Ecken der Organisation. Das ist unbequem, und genau deshalb funktioniert es.

  4. Die Klammer ist ein Modell für alle. Jede Seite muss beantworten: Wo bin ich? Wer spricht hier? Wo kann ich hin? Das gilt für die Universitätsseite ebenso wie für die B2B-Produktseite, die aus einer Claude-Antwort heraus aufgerufen wird.

Am Ende unseres Gesprächs mit Silke Sauer fragen wir sie, was sie rückblickend anders machen würde. Ihre Antwort ist bemerkenswert ehrlich: Sie würde Website-Governance noch früher und noch konsequenter als System aufsetzen. Workshops und Schulungen allein reichen nicht. In einem dezentralen Umfeld mit über 1.100 Websites funktioniert Qualität nicht über Appelle, sondern nur über definierte Rahmen. „Wo Konsistenz optional ist, entsteht keine”, sagt sie. 

Wir finden: Ein Satz, den sich jedes Unternehmen ins Pflichtenheft schreiben sollte, das 2026 ernsthaft über Ausbau und Weiterentwicklung seiner digitalen Markenpräsenz nachdenkt. 

Im nächsten Teil der Serie schauen wir auf das, was viele Mittelständler gerade am meisten beschäftigt: Wie startet man, wenn man keine drei Jahre, keine 1.100 Websites und keine CBO-Position hat? Welche Hebel zahlen schnell ein, und welche muss man langfristig denken?

Bleibt dran.

Textentstehung: 30% Briefing von Hand, 40% Draft von Claude Sonnet 4.6, 30% manuelles Finetuning

HYPE & HEBEL ist ein unabhängiges Denk- und Beratungslabor an der Schnittstelle von Marke, KI und Customer Experience. Wir helfen Unternehmen dabei, im Intention-Zeitalter sichtbar, relevant und handlungsfähig zu bleiben.

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