⁠⁠In der KI gewonnen - auf der Website verloren?

⁠⁠In der KI gewonnen - auf der Website verloren?

⁠⁠In der KI gewonnen - auf der Website verloren?

Nikolaus Stemmer
UX Strategy & Experience Design

Lesezeit 7 min

24. März 2026

Wie KI die Regeln des digitalen Marketings neu schreibt. Und warum jetzt der beste Moment ist, in die eigene Marken-Website zu investieren.

HYPE & HEBEL - Teil 1 - Grundlagen der Intention-Ökonomie

Die meisten Unternehmen optimieren ihre Inhalte aktuell für KI-Suchen wie ChatGPT, Perplexity, Claude, Mistral & Co. Dabei vernachlässigen sie den Ort, an dem die Entscheidung fällt: die eigene Website, das Dach der digitalen Marken-Präsenz. Das ist der Widerspruch, der gerade entsteht.

Jahrzehntelang war das kein Problem: Aufmerksamkeit gewinnen, Klicks erzeugen, Touchpoints bauen. SEO, SEA, Display. Das funktionierte – solange der Weg zur Entscheidung und der Ort der Entscheidung dasselbe waren.

Das sind sie nicht mehr. Die Spielregeln haben sich geändert. Mit fundamentalen Konsequenzen für das Marketing-Game.

Aber der Reihe nach: Was passiert da draußen eigentlich gerade wirklich?

Was gerade mit dem Marketing-Funnel passiert, betrifft alle Brand-Websites

Der Open-Source-Vordenker Doc Searls prägte den Begriff "Intention Economy" bereits 2006 – eine Wirtschaft, die nicht mehr von Aufmerksamkeit, sondern von der Käuferabsicht angetrieben wird. Im Juni 2023 und damit ein halbes Jahr nachdem OpenAI ChatGPT weltweit vorgestellt hat, beschreibt Jakob Nielsen ein neues Interaktionsparadigma. Er nennt es "Intent-Based Outcome Specification".

Mit dem etwas sperrigen Begriff beschreibt er, wie sich durch zielbasierte Interaktion unser Umgang mit Computern wandelt von "ich sag dir, was du tun sollst" zu "ich sag dir, was ich erreichen will." Entscheidend ist nicht, wie wir mit dem System sprechen, sondern was wir ihm sagen. Ergebnis statt Anweisung. Für Nielsen, einer der international einflussreichsten (mittlerweile auch kontroversesten) Usability-Forscher, ist es das "first new UI paradigm in 60 years."

Was die zielbasierte Interaktion von uns Menschen mit ChatGPT & Co für den Marketing-Funnel bedeutet, ist fundamental: Das alte Modell beruhte auf Seiten und Schritten: jede Seite, jeder Klick war eine Chance – auf Daten, auf Werbefläche, auf Kontrolle. Suchmaschinen, soziale Netzwerke, Display-Netzwerke haben ihre gesamten Geschäftsmodelle auf dieser Stufenstruktur gebaut. Generative KI, genauer gesagt KI-Suchen auf Basis großer Sprachmodelle, kürzt genau diesen Weg ab: sie liefert die Antwort, bevor die erste Seite geladen wird. Der gute alte Funnel Awareness > Consideration > Conversion, mit Datenpunkten und Werbeplätzen auf jedem Schritt, verliert seine Grundlage.

Schön für Nutzende, die statt 10 Links eine Antwort bekommen – aber ein Riesen-Problem für alle, die auf diesen Stufen ihr Marketing und Geschäftsmodell aufgebaut haben.

Glossar – Das meinen wir, wenn wir sagen …

Marken-Website – alles, was für B2C/B2B-Zielgruppen unter dem digitalen Dach einer Marke stattfindet: Brand, Content, Kampagne, Corporate, Retail, Produktinformation, u.ä.

KI-Suche – ChatGPT, Claude, Perplexity & Co. Viele sagen dazu auch einfach “KI-Tool” oder “KI-Chatbot”. Darunter verstehen wir wiederum Service-Chats auf Marken-Websites, die immer häufiger auch auf LLMs laufen.

Zero Click – Suchanfragen, die enden, ohne dass auf eine Website geklickt wird, weil Nutzende mit den KI-generierten Antworten auf der Google-Suchergebnisseite zufrieden sind. Für Unternehmen bedeutet das: weniger Traffic, aber nicht zwingend weniger Relevanz. Wer als Quelle zitiert wird, gewinnt Autorität – auch ohne Klick. Sichtbarkeit entsteht heute durch Zitation, nicht mehr allein durch Ranking. 

High Intent – Nutzende mit klarer Kauf- oder Entscheidungsabsicht. Sie recherchieren nicht mehr, sie validieren. Im KI-Kontext: Wer nach einer KI-Empfehlung auf einer Website landet, hat die Recherchephase bereits hinter sich. Diese Besucher konvertieren deutlich besser als durchschnittlicher Suchtraffic – und erwarten eine Website, die ihrer Entscheidungsreife entspricht.

GEO (Generative Engine Optimization) – Statt für Google-Rankings wie bei SEO optimiert man bei GEO dafür, dass ChatGPT, Perplexity & Co. die eigene Website als vertrauenswürdige Quelle zitieren. Ziel von GEO ist Autorität aufbauen, nicht Klicks erzeugen wie bei SEO. 

Glossar – Das meinen wir, wenn wir sagen …

Marken-Website – alles, was für B2C/B2B-Zielgruppen unter dem digitalen Dach einer Marke stattfindet: Brand, Content, Kampagne, Corporate, Retail, Produktinformation, u.ä.

KI-Suche – ChatGPT, Claude, Perplexity & Co. Viele sagen dazu auch einfach “KI-Tool” oder “KI-Chatbot”. Darunter verstehen wir wiederum Service-Chats auf Marken-Websites, die immer häufiger auch auf LLMs laufen.

Zero Click – Suchanfragen, die enden, ohne dass auf eine Website geklickt wird, weil Nutzende mit den KI-generierten Antworten auf der Google-Suchergebnisseite zufrieden sind. Für Unternehmen bedeutet das: weniger Traffic, aber nicht zwingend weniger Relevanz. Wer als Quelle zitiert wird, gewinnt Autorität – auch ohne Klick. Sichtbarkeit entsteht heute durch Zitation, nicht mehr allein durch Ranking. 

High Intent – Nutzende mit klarer Kauf- oder Entscheidungsabsicht. Sie recherchieren nicht mehr, sie validieren. Im KI-Kontext: Wer nach einer KI-Empfehlung auf einer Website landet, hat die Recherchephase bereits hinter sich. Diese Besucher konvertieren deutlich besser als durchschnittlicher Suchtraffic – und erwarten eine Website, die ihrer Entscheidungsreife entspricht.

GEO (Generative Engine Optimization) – Statt für Google-Rankings wie bei SEO optimiert man bei GEO dafür, dass ChatGPT, Perplexity & Co. die eigene Website als vertrauenswürdige Quelle zitieren. Ziel von GEO ist AUtorität aufbauen, nicht Klicks erzeugen wie bei SEO. 

Die neue Zero Click-Realität: Was die Daten sagen und was dahinter steckt

69 Prozent aller Google-Suchen mit AI Overviews enden heute ohne Klick. KI-Overviews reduzieren die Klickrate je nach Suchtyp um 34 bis 61 Prozent. Der Kontext der Suchanfrage entscheidet – nicht alle Suchanfragen sind gleich betroffen. Google unterscheidet vier Typen:

  • Informational ("Wie funktioniert KI?", "Was ist ein ETF?") – am stärksten betroffen, weil die KI direkt antwortet. Ratgeberseiten und Fachportale verlieren mit 89 Prozent massiv Traffic.

  • Navigational ("Zalando Login", "IKEA Katalog online") – kaum betroffen. Wer eine konkrete Destination sucht, klickt dorthin.

  • Commercial ("beste CRM-Software", "Laufschuhe Vergleich 2025") – mittelstark betroffen. Die KI übernimmt die Vorfilterung, bevor der Nutzende eine Seite öffnet.

  • Transactional ("Software kaufen", "Hotelzimmer München buchen") – am stärksten geschützt: 69 Prozent dieser Anfragen führen noch immer zu einem Klick. Wer kaufen will, will kaufen – und dafür braucht er eine Seite, der er vertraut. Hier spricht man von “High Intent” Nutzenden.

Im Übrigen: Für B2B gilt das besonders. Denn B2B-Kaufanbahnungen sind in der Regel weitaus komplexer, erfordern langfristigere Validierung und mehrere Stakeholder – und werden nicht in einer Chatoberfläche getroffen. Heißt: Auch wenn KI-Suchen im B2B-Bereich zunehmend Kaufentscheidungen beeinflussen, bleibt die Website in der Buyer-Journey der zentrale Vertrauensanker, an dem sich B2B-Käufer orientieren, bevor intern entschieden wird.

Zero Click ist nicht das Ende, aber eine Umleitung

All das bedeutet: Der Funnel löst sich nicht auf, er verschiebt sich. Top of Funnel findet jetzt in der KI statt – die eigene Website übernimmt Mitte und Ende der Reise: sie ist nicht mehr Startpunkt, sondern die Bühne, auf der der vorqualifizierte Besucher seine Entscheidung festigt.

Dazu passt folgende aktuelle Nachricht: Im Herbst 2025 führte OpenAI die Funktion "ChatGPT Instant Checkout" ein. Die Idee war konsequent: Wenn ChatGPT ohnehin Produkte empfiehlt, warum dann nicht gleich den Kauf ermöglichen? Jetzt hat OpenAI das Feature nach einem knappen halben Jahr wieder eingestellt. Gerade einmal 30 Shopify-Händler integrierten es in dieser Zeit. Forrester kommentierte trocken: "The leader in agentic commerce just pulled back."

Die Kaufentscheidung lässt sich nicht in die KI-Plattform verlagern. Amazon – 40 Prozent des US-E-Commerce – hat OpenAI-Crawler vollständig blockiert. Die Transaktion findet auf der Marken-Website statt. Nicht weil Technologie das erzwingt, sondern weil Vertrauen dort entsteht.

Hight Intent User: Das System bringt sie bis zur Tür - die Marke muss sie willkommen heißen

Aktuelle Zahlen zeigen: ChatGPT-Referral-Traffic konvertiert neunmal besser als klassischer Organic-Traffic. Besucher aus KI-Suchen machen einen Bruchteil des Gesamttraffics aus – aber einen überproportional großen Teil der Conversions. Sie kommen vorbereitet, mit echter Absicht und fast zehn Minuten durchschnittlicher Verweildauer.

Voraussetzung dafür: Die Website muss in der KI überhaupt als vertrauenswürdige Quelle erscheinen. Sichtbarkeit in KI-Suchen ist also die Eintrittsbedingung, bevor die Website liefern kann.

Die Folge spüren wir aktuell in den meisten Projekten und Ausschreibungen: Viele Unternehmen reagieren auf diese Entwicklung mit einem Push ihrer SEO/GEO-Maßnahmen und damit sehr einseitig in einer Weise, wie sie es in den letzten 15 Jahren getan haben. Sie bauen Infrastruktur wie Protokolle, Standards, Produktdaten, um im Rennen um die beste Sicht- und Zitierbarkeit in den KI-Suchen zu bestehen. Wir sagen nicht, dass das sinnlos wäre – aber es löst nur einen Teil des Problems.

Denn in den Chatoberflächen von Claude & Co existiert keine Marke. Es gibt Preis, Verfügbarkeit, Bewertung – aber kein Logo, keine Bildsprache, keine Verpackung. Wer seine Marke nicht hervorhebt, positioniert und strukturell verankert, wird zum anonymen Datensatz. Und zwar genau dann, wenn die Entscheidung fällt.

Das ist der Widerspruch, den viele Unternehmen gerade (noch) nicht sehen: Sie optimieren für das System, das Nutzende zur Entscheidung führt – aber sie vernachlässigen den Ort, an dem die Entscheidung fällt.

Wie Markenvertrauen im KI-Zeitalter entsteht - und was das für die eigene Website bedeutet

Vertrauen entsteht nicht durch Daten. Es entsteht durch Erlebnisse – durch das Gefühl, am richtigen Ort zu sein, die richtige Antwort zu bekommen, gut behandelt zu werden.

Das ändert sich nicht, weil KI die Recherche übernimmt. Es verlagert sich. Wer nach einer KI-Empfehlung auf einer Website landet, bringt Vorschuss-Vertrauen mit – das die KI durch ihre Empfehlung gewissermaßen vorgestreckt hat. Dieses Vertrauen zu bestätigen ist die neue Kernaufgabe der Marken-Website: nicht mehr Aufmerksamkeit gewinnen, sondern Erwartungen einlösen.

Das ist anspruchsvoller als es klingt. Der Besucher kommt vorbereitet, mit konkreter Absicht – und er merkt sofort, ob die Experience dieser Absicht entspricht.

Warum starke Marken-Websites jetzt an Bedeutung gewinnen

Die aktuell populäre These, die wir in unserem ersten LinkedIn-Post vor zwei Wochen kolportiert haben, lautet: KI macht Websites überflüssig, “die Marken-Website ist tot”. Von wegen: die Daten sagen genau das Gegenteil. Kommunikationsexperte Roman Möhlmann, der auf unseren LinkedIn-Post geantwortet hat, bringt es auf den Punkt:

"Wenn KI-Systeme ihre Antworten aus vertrauenswürdigen Quellen zusammensetzen, wird die eigene Website eher zur zentralen Referenz- und Primärquelle im Informationsökosystem. [...] Sichtbarkeit entsteht dann nicht mehr primär über Klickpfade, sondern über Präsenz in der entstehenden Zitationsökonomie generativer Systeme."

Die Marken-Website ist der einzige Ort, den eine Marke vollständig kontrolliert: Content, Daten, Look & Feel, Kundenbindung. Kein Algorithmus drosselt die Reichweite. Kein Wettbewerber erscheint daneben. Kein KI-System lässt den Namen weg. 

Wer in Zukunft also in die starke Website einer starken Marke investiert, tut das auch, um sie nicht nur für Bot-Nutzer maschinenlesbar zu machen, sondern auch um Menschen zu überzeugen, ihr Vertrauen zu bestätigen und ihre “Vorqualifizierung” in KI-Suchen zu belohnen. "Bau sie, und sie werden kommen" reicht schon lange nicht mehr als Motto für eine Marken-Website. Spätestens seit ChatGPT & Co heißt das neue Paradigma: “Sorge dafür, dass sich die Reise lohnt, wenn sie ankommen.”

Was als nächstes kommt

Wir meinen das nicht abstrakt. Wir sehen es in jedem Projekt, jeder Analyse, jedem Gespräch mit Unternehmen, die gerade verstehen wollen, was mit ihrem digitalen Ökosystem passiert.

Die gute Nachricht: Wer heute investiert, hat einen echten Vorsprung. Was das konkret bedeutet – strategisch, strukturell, operativ –, vertiefen wir im nächsten Artikel dieser Serie: 

  • Wie muss eine Marken-Website heute aufgebaut sein, um sowohl den High-Intent-Besucher als auch KI-Bots zu überzeugen? 

  • Welche Strukturen, welche Inhalte, welche technischen Voraussetzungen braucht es?

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Textentstehung: 30% Briefing von Hand, 40% Draft von Claude Sonnet 4.6, 30% manuelles Finetuning

HYPE & HEBEL ist ein unabhängiges Beratungslabor an der Schnittstelle von Marke, KI und Customer Experience. Wir helfen Unternehmen dabei, im Intention-Zeitalter sichtbar, relevant und handlungsfähig zu bleiben.

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Quellen: 

Doc Searls, The Intention Economy, Harvard Business Review Press, 2012

Jakob Nielsen, "First New UI Paradigm in 60 Years", NN/g, Juni 2023: https://www.nngroup.com/articles/ai-paradigm/

Zu Funnel-Mechanik und KI: https://fantasy.co/latest/do-websites-need-pages

Forrester: "What It Means That the Leader in Agentic Commerce Just Pulled Back", https://www.forrester.com/blogs/what-it-means-that-the-leader-in-agentic-commerce-just-pulled-back/

Zahlen AI Overviews / Zero Click: Semrush AI Overviews Study 2025, Seer Interactive, Click-Vision

Conversion-Daten ChatGPT-Traffic: ALM Corp / Search Engine Land

Roman Möhlmann, LinkedIn: https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:ugcPost:7436814486810025985“Die Marken-Website ist tot” - unser LinkedIn-Post vom 10.3.2026 https://www.linkedin.com/posts/stefanwalz_hype-hebel-activity-7437098782930116608-5vNe

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